Geschichte

Anfang 1967, acht Jahre nachdem die Bundeswehr dem Internationalen Militärsportverband, dem „Conseil International du Sport Militaire“ (CISM) beigetreten war, entschloß sich die Marine, an der Militärsportart „Maritimer Fünfkampf“ teilzunehmen, wie es bereits die Amerikaner, Argentinier, Brasilianer, Holländer, Italiener, Norweger und Schweden seit einigen Jahren taten.

Dieser Mehrkampf entstand 1953 in der Italienischen Marine und sollte die seemännischen, soldatischen und allgemeinen physischen, geistigen und psychischen Anforderungen des Marinesoldaten abbilden.
Der Auftrag ging an die Kampfschwimmerkompanie, wo man – zu Recht – gute Sportler vermutete und lautete: Regeln lesen, trainieren und noch im selben Jahr an den CISM-Meisterschaften in Griechenland teilnehmen.
Mit Optimismus ging eine Gruppe ausgesuchter Kampfschwimmer ans Werk. Man organisierte ein Trainingslager an der Sportschule der Bundeswehr in Sonthofen, vertraute sich den Wanten der „Gorch Fock“ an, sah die Schwimmwettbewerbe als ureigenstes Metier an, ruderte in Dinghis, was die Riemen hergaben, schoß die Gewehre glühend und übte sich im Handgranatenzielwurf.

Im Sommer 1967 putschten jedoch in Griechenland Generäle. Deutsche Soldaten in Uniform, selbst in sportlicher Mission, wurden vom deutschen Außenministerium unter diesen Umständen aus nur gut zwei Jahrzehnte zurückliegenden historischen Gründen in Griechenland als unpassend empfunden. Die Maschine der Flugbereitschaft flog keine Kampfschwimmer nach Athen, sie flog leer nach Köln zurück.

Damit stand mehr Zeit für die Vorbereitung auf das nächste Jahr zur Verfügung. Die Kampfschwimmer erkannten schnell, daß sie mit ihren wenigen Männern organisatorisch überfordert sein würden und das außerdem sicherlich noch mehr geeignete Marinesoldaten an dieser Militärsportart interessiert sein würden. Es wurde die Marineunteroffizierschule in Plön „ins Boot“ geholt. Das Training wurde nach dort verlagert, weitestgehend an Wochenenden durchgeführt und mit viel Engagement der dortigen Sportlehrer intensiviert. In Plön wurde dazu eine Hindernisbahn gebaut, es wurde marineweit zum Training eingeladen und 1968 erstmalig an CISM-Meisterschaften in den Niederlanden teilgenommen. Brasilien (1969), Schweden (1970), USA (1971) und wiederum Schweden (1972) folgten. Zu Erfolgen aufs „Treppchen“ reichte es jedoch nicht.

Plön hatte den Trainingsnachteil einer damals noch fehlenden Schwimmhalle. Zudem verlagerte sich auch die Begeisterung wieder nach Eckernförde, wo mit der Taucherübungshalle die ideale Schwimmstätte zur Verfügung stand, neben den Kampfschwimmern auch Minentaucher als ständig qualifizierte Mannschaftsmitglieder stationiert waren und der Sportlehrer der Marinewaffenschule, Willi Quast, begeistert seine Mitarbeit zusagte. (Er war nachfolgend bei 18 CISM-Meisterschaften als Trainer dabei!)

1972 wurde das Training von Plön wieder nach Eckernförde verlegt und die Marinewaffenschule, die Kampfschwimmer- und ebenso die Minentaucherkompanie arbeiteten bei der Aufstellung einer leistungsfähigen Mannschaft eng zusammen. 1973 ging es nach Argentinien, 1974 nach Norwegen, 1975 nach Schweden.

Nach einem Personalwechsel im Jahr 1975 stellte die Kampfschwimmerkompanie für 1976 keine Kampfschwimmer mehr ab. Damit fehlten bewährte Mannschaftsmitglieder. Der Trainer zeigte Zivilcourage und lehnte mit Billigung der Marinewaffenschule eine Teilnahme an CISM-Meisterschaften mit einer „zweitklassigen“ Mannschaft ab; eine mutige Entscheidung, wie sich zeigen sollte, denn es folgte daraufhin die Entscheidung des Stv. Inspekteurs, dass die Marine im Jahr 1977 an den CISM-Meisterschaften teilzunehmen habe und die Lehrgruppe A der MWaS mit der Zusammenstellung einer qualifizierten Mannschaft und der Koordination für die Teilnahme beauftragt wurde.

Damit war ein klarer Auftrag erteilt, der auch Rückgriffe auf qualifizierte Wettkämpfer erlaubte. Allerdings begründete der Auftrag keine eigene „Wettkampfgruppe“ mit Personal- und Material-STAN (Stärke- und Ausrüstungsnachweisung), den damaligen Wunschtraum. Es blieb weiterhin viel Arbeit zu leisten, vor allem auch an den Wochenenden, denn Teilnehmer anderer Dienststellen waren während der normalen Dienstzeiten nicht so einfach abkömmlich. Es wurde viel in der Freizeit trainiert, die unbezahlten Überstunden des Trainers häuften sich, was jedoch der Begeisterung keinen Abbruch tat.

Es folgten jährliche Teilnahmen an Meisterschaften in Brasilien (1977), den Niederlanden (1978) und den USA (1979), wo erstmalig ein Deutscher in einem der fünf Einzelwettbewerbe den dritten Platz erreichte. Diesen Erfolg konnte man zwar schon verkaufen, wie auch in den Folgejahren einzelne weitere Spitzenleistungen und sogar Weltrekorde in den Schwimmwettbewerben. Auch näherte man sich weiterhin den Leistungen der „Großen“, damals USA und Schweden, aber als Mannschaft kamen die Deutschen nicht auf Spitzenplätze.

Ein erneuter Personalwechsel an der MWaS im Jahre 1979 ließ die Marine neue Wege gehen. Während entscheidende Stellen den Trainer wegen Erfolglosigkeit feuern wollten, schlugen andere auf der Seite des Trainers eine völlig neue Organisationsform vor, um ihm freie Hand für das eigentliche Training zu geben und ihn von jeglichen Organisationsaufgaben zu entlasten. Da nach wie vor eine eigenständige Gruppe mit festgelegten Dienstposten nicht durchsetzbar war, beantragte die MWaS beim Marineamt einen Lehrgang für den Maritimen Fünfkampf und legte einen Vorschlag für eine Ausbildungsanweisung vor. Damit konnten Soldaten auf Schüleretat-Stellen zur MWaS kommandiert werden und ganzjährig dem Training zur Verfügung stehen. Dabei wurden die Vorgaben der 1973 eingeführten Sportfördergruppen (30% militärischer Dienst, 70% sportliches Training) berücksichtigt. Der Lehrgang sollte einer Inspektion der Lehrgruppe A unterstellt, der Inspektionschef als Disziplinarvorgesetzter für die „Ausbildung“ zuständig sein. Darüber hinaus wurden die Kontakte zur Sportschule der Bundeswehr in Warendorf intensiviert und zum Deutschen Schwimmverband geknüpft. Wehrpflichtige Soldaten, die nicht als Spitzensportler in die Sportfördergruppen „Schwimmen“ übernommen werden konnten, waren, wenn sie läuferisch gut waren, zum Fünfkampf hervorragend geeignet. In enger Zusammenarbeit mit den Wehrdienstberatern und der Stammdienststelle der Marine (SDM) in Wilhelmshaven wurden diese jungen Männer gezielt zur MWaS einberufen. Durch persönliche Kontakte gelang es, bei den Amerikanern in San Diego, Kalifornien, ein Trainingslager einzurichten, was bis heute zum Jahresprogramm gehört.

An der MWaS wurde nach den neuen Ideen, aber auch noch weiter an den Wochenenden trainiert. Die Einzelerfolge mehrten sich, vor allem in den beiden Schwimmwettbewerben 1980 in Schweden und 1981 in Argentinien.
Das Marineamt prüfte zwischenzeitlich den vorgelegten Lehrgangsvorschlag und führte am 1. April 1983 den Lehrgang 707165 „Maritimer Fünfkampf“ ein. (Eine Kuriosität dieser Ausbildungsanweisung war einmalig in der Bundeswehr: Während normalerweise ein Lehrgang bei Nicht-Bestehen wiederholt werden kann, war es hier genau umgekehrt. Wörtlich stand in Nr. 9 der Prüfungsanweisung: „Bei überdurchschnittlicher Eignung soll der Lehrgang wiederholt werden.“ Damit standen besonders gute Wettkämpfer auch im Folgejahr zur Verfügung!)

Da 1982 keine CISM-Meisterschaften stattfanden, hatte man Zeit zum Ausprobieren des neugestalteten Trainings. Der Erfolg blieb nicht aus. Zeitgleich mit der ersten Durchführung der Meisterschaften in Eckernförde hatte sich 1983 die Plackerei der letzten 17 Jahre ausgezahlt: die Maritimen Fünfkämpfer der Marine Obermaat (OA) Uwe Rossmeisl, Matrose Dirk Aschmoneit, Obergefreiter Stefan Woytowicz, Bootsmann Wolfgang Raach und Maat Thorsten Hinsche waren zum ersten Mal Militärweltmeister, wobei OMt (OA) Rossmeisl in der Einzelwertung Vizeweltmeister wurde.
Gleichzeitig wurde aber auch das internationale Engagement honoriert. Erstmalig wurde ein deutscher Marineoffizier in das fünfköpfige „PTC“ (Permanent Technical Committee) für den Maritimen Fünfkampf im CISM berufen. (Jahre später wurde Fregattenkapitän Uwe Rossmeisl, Vizeweltmeister von 1983, Präsident dieses PTCs.)

In den Folgejahren 1984 (Norwegen), 1985 (USA), 1986 (Brasilien), 1987 (Schweden), 1988 Niederlande, 1989 (Argentinien), 1991 (Pakistan) und 1992 (USA) lehrten die deutschen Fünfkämpfer die Konkurrenz vor allem durch gute Schwimmleistungen das Fürchten und waren immer auf vorderen Platzen vertreten, endeten aber nicht mehr als Sieger.
Im Rahmen der Umgestaltung der Sportförderung in der Bundeswehr, bei der neben den olympischen auch die Militärsportarten mehr als vordem gefördert werden sollten, wurde am 1. 10. 1994 die „Sportfördergruppe Eckernförde“ als Dienststelle mit Personal- und Material-Stärke- und Ausrüstungsnachweisung (STAN) aufgestellt. Der Lehrgang hatte als Organisationsform ausgedient, die frühere Vision wurde Wirklichkeit.

Alle 15 Sportfördergruppen der Bundeswehr sind nun einheitlich strukturiert und werden jeweils durch einen Portepeeunteroffizier als Leiter geführt. Einzigartig ist bei den drei Militärsportarten – Fallschirmspringen in Altenstadt – Militärischer Fünfkampf in Neubiberg und dem Maritimen Fünfkampf in Eckernförde, dass der Leiter der Sportfördergruppe gleichzeitig Trainer sein kann.

Die Sportfördergruppe der Bundeswehr Eckernförde ist das Ausbildungszentrum der Marine für die Militärsportart Maritimer Fünfkampf und umfasst die länger dienenden Zeit- und Berufssoldaten, Kaderangehörige des Sportfachverbandes oder der CISM Mannschaften der Bundeswehr und hat den Auftrag durch planmäßiges Training bestmögliche Ergebnisse bei Welt- und Europameisterschaften zu erzielen.

Truppendienstlich war die Sportfördergruppe der Bundeswehr Eckernförde von 1994 bis 2002 der Marinewaffenschule in Eckernförde unterstellt. Zeitgleich mit der Aufstellung der Sportfördergruppe im Jahre 1994 und der damit weitgehenden Eigenständigkeit der Dienststelle begann der Erfolg der deutschen Maritimen Fünfkämpfer.

Nach 1983 war 1996 die Bundeswehr zum zweiten Mal Gastgeber der Militärweltmeisterschaften im Maritimen Fünfkampf in Eckernförde.

Der Maritime Fünfkampf entwickelte sich international ständig weiter. Von 6 – 10 teilnehmenden Nationen bei Weltmeisterschaften von 1980 bis 1990 haben sich bis heute 25 Nationen im Maritimen Fünfkampf probiert.
Neben fortlaufenden Regeländerungen im Maritimen Fünfkampf wurde das Regelwerk 1999 grundsätzlich modifiziert und machte die Militärsportart schneller, attraktiver, verständlicher und vor allem für die Ausrichter von Meisterschaften publikumsfreundlicher und leichter in der Durchführung.

2003 wechselte die truppendienstliche Unterstellung der Sportfördergruppe der Bundeswehr Eckernförde zum neu aufgestellten Marinestützpunktkommando Eckernförde, die für 2004 mit der Ausrichtung der Europameisterschaft im Maritimen Fünfkampf beauftragt wurde. Neben dem Sieg in der Einzel- und Mannschaftswertung wurde die Sportfördergruppe, Dank der Unterstützung des Marinestützpunktkommandos mit einer neuen Hindernisbahn belohnt.
Seit Aufstellung der Sportfördergruppe 1994 ist die Erfolgsbilanz doch sehr beachtlich geworden, mit der Mannschaft holte man 2003,2005,2007,2008 und zuletzt 2009 im eigenen Land Gold bei Weltmeisterschaften, in der Einzelwertung gelang dies 2008 und 2009 durch Hauptbootsmann Matthias Wesemann. Beachtlich sind auch die Leistungen in der Einzelwertung 2005,2007 und 2008 wo man zusätzlich auch noch Silber abstaubte.
Highlight der Sportfördergruppe der Bundeswehr Eckernförde war die Austragung der Militärweltmeisterschaft 2009 in Eckernförde.